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Akupunktur bei idiopathischer Epilepsie -Fallbericht aus der Kleintierpraxis

Aktualisiert: 14. Dez 2020

Toni ist eine zweieinhalbjährige Französische Bulldogge, die aufgrund progressiver Epilepsie, extremer Ängstlichkeit und nächtlicher Unruhe vorgestellt wurde. Schon als Junghund fiel es ihm schwer allein zu bleiben, er jammerte und winselte ununterbrochen, wenn er vom Besitzer getrennt war. Mit 12 Monaten begann er beim Versuch ihn kurze Zeit allein zu lassen, exzessive zu bellen, auf und ab zu laufen und an den Türen zu scharren.


Vor allem bei Änderungen der täglichen Routine, bei Besuch und wenig körperlicher Auslastung, waren die Symptome am schlimmsten: sowohl die extreme Anhänglichkeit als auch die Epilepsie verschlimmerte sich derart, dass beinahe täglich mehrere epileptische Anfälle auftraten.


Eine Therapie mit Antidepressiva und Antiepileptika brachte nicht den erwünschten Erfolg. Die Untersuchung beim Neurologen mit unauffälliger MRT-Untersuchung und Liquor-Analyse ergab die Diagnose: idiopathische Epilepsie. Weitere Antiepileptika wurden getestet, aber leider ebenso ohne nachhaltige Besserung. Da der Wunsch nach einer Besserung der Lebensqualität groß war, fanden Tonis Besitzer schließlich den Weg zur Akupunktur und in die Tierarztpraxis MediTier.


Bei der ersten Sitzung war Toni wahnsinnig aufgeregt, er hechelte und winselte ununterbrochen. Dies sollte sich bei den nächsten Besuchen wandeln und auch zuhause kehrte im Verlauf der Behandlung zunehmend Ruhe ein. Beim Erstbesuch fielen rote, heiße Ohren und gerötete Augen auf, ein rasender und starker Puls; Anzeichen von Hitze und Überschuss.


Eine Füllestörung des Leber-Yangs („aufsteigendes Leber-Yang“) wurde diagnostiziert. Die aufsteigende Hitze (Yang) sorgte für eine Störung des Shen (des Geistes) in Form der Verhaltensänderung und die Entstehung „inneren Windes“ in Form epileptischer Anfälle. Da die Besitzer Tonis Verhalten in guten Zeiten als freundlich und offen beschrieben und Toni als einen Hund, der gerne bellte oder auf andere Art vokalisierte, bei manchen Menschen oder Vierbeinern aber durchaus auch aggressiv reagieren könnte, würde seine Konstitution als Holz-Erde-Mischtyp eingeschätzt. Dies prädisponiert ihn für Erkrankungen wie Shen-Störungen und Leber-Dysbalancen.


Insgesamt acht Sitzungen im Abstand von ein bis drei Wochen führten zu einer kontinuierlichen Besserung der Symptome, wobei bis zu einer kleinen Modifikation der Therapie gegen Ende des Behandlungszyklus immer wieder kleinere, schwächere epileptische Anfälle auftraten. Schließlich gelang es aber, auch die Anfälle in den Griff zu bekommen, Toni konnte endlich nachts wieder durchschlafen, spielte mehr und machte einen zufriedenen Eindruck. Kleinere Änderungen im Alltag bereiteten ihm nicht mehr so viel Stress, Alleinbleiben konnte endlich sinnvoll geübt werden.

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