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Akupunktur bei Arthrose – Fallbericht aus der Kleintierpraxis

Aktualisiert: 14. Dez 2020

Nino ist ein 8-jähriger Australian Shepherd Rüde, der leider schon mit einer längeren Krankheitsakte in der Tierarztpraxis MediTier vorstellig wurde. Bereits mehrmals aufgrund von OCD-Läsionen (Osteochondrosis dissecans oder auch „Gelenkmäuse“ genannt) an den Ellenbogen operiert und vorbelastet mit einer Hüftgelenksdysplasie (D-Hüfte nach FCI, also mittelgradige HD nach Röntgenbild), hat es ihn besonders schwer getroffen.


Die üblichen Schmerzmittel schienen nicht mehr richtig zu helfen und eine längerfristige Gabe potenterer Schmerzmittel (z.B. Phen-Pred®) war seines empfindlichen Magens eher schwierig.


Bei der ersten Akupunktur-Behandlung war Nino noch etwas aufgeregt und konnte sich noch nicht so richtig entspannen, was aber der Wirkung keinen Abbruch tat. Seine Besitzer wagten es und setzten die Schmerzmittel ab. Ninos Zustand blieb konstant. Eine Woche später wurde er erneut vorstellig, die akute Lahmheit vorne rechts war schon weniger deutlich zu sehen, von ehemals Lahmheitsgrad 3/5 eine Besserung auf 1/5.


Beim dritten Besuch kam Nino schwanzwedelnd in die Praxis. Er legte sich sofort auf die Behandlungsmatte und war offen für seine Behandlung. Wenn auch bislang noch eine minimale Rest-Lahmheit bestehen blieb, die sich aber nur bei nass-kaltem Wetter äußert, so sind wir doch sehr zufrieden mit dem Erfolg. Ninos Lebensqualität besserte sich merklich.


Was passiert bei einer Arthrose?


Bei der Arthrose handelt es sich per definitionem um einen Gelenkzustand nach einem anormalen Reparationsprozess, der einhergeht mit einer Degeneration des Gelenkknorpels und Veränderungen im sogenannten subchondralen Knochenstoffwechsel (Stoffwechselveränderungen im unter dem Knorpel liegenden Knochen).


Es können einzelne Gelenke oder auch mehrere Gelenke betroffen sein. Die Hunde zeigen Bewegungsunlust, Lahmheit, steifes Gangbild und/oder Gelenkschwellungen. Durch die degenerativen Vorgänge im Gelenk kommt es zu einem Teufelskreislauf aus Schmerzen, demzufolge weniger Bewegung, Abbau der Muskelmasse, Belastungszunahme von Knorpel, Sehnen und Bändern und schließlich verstärkten Knorpelschäden, Freisetzung von Entzündungsmediatoren und nicht zuletzt einer Zunahme der Sensibilität mit Auswirkungen auf das sogenannte Schmerzgedächtnis.


Diesen Teufelskreislauf gilt es zu durchbrechen, um den Hunden Linderung zu verschaffen und die Lebensqualität der betroffenen Patienten zu verbessern. Verschiedene Schmerzmittel unterschiedlicher Potenz und Stärke stehen zur Verfügung und Ergänzungsfuttermittel können den Gelenkstoffwechsel positiv beeinflussen. Eine Heilung ist in der Regel nicht möglich.


Die Akupunktur ist eine wunderbare Ergänzung im Sinne einer multimodalen Schmerztherapie. Die Arthrose ist in der TCM zu den Bi-Syndromen zu zählen. Der Begriff Bi-Syndrom bezeichnet schmerzhafte Obstruktionen, einhergehend mit Schmerzen mit oder ohne Taubheitsgefühl. Schmerz in der TCM bedeutet Qi- und/oder Blut-Stagnation, oder auch bildlich gesprochen als „Schrei des Gewebes nach freiem Energiefluss“.


Je nach Beschwerden und nach der Art der vorherrschenden pathogenen Faktoren, die in den Körper eingedrungen sind, unterteilt man das Bi-Syndrom in folgende Gruppen: Wind-Bi (oder wanderndes Bi), Feuchte-Bi (oder fixiertes Bi), Kälte-Bi (oder schmerzhaftes Bi), Hitze-Bi und Knochen-Bi. Wie immer muss das entsprechende Krankheitsmuster herausgefunden und der Patient entsprechend behandelt werden.

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