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Akupunktur und Kräutertherapie bei Kotwasser und equinem Asthma –Fallbericht aus der Pferdepraxis

Aktualisiert: 14. Dez 2020

Fjarki ist ein 25-jähriger Isländerwallach, der 2011 nach einem Stallwechsel zu husten begann. Zuvor war er in einem Stall gestanden, in dem er mit Silage schlechter Qualität gefüttert worden war, woraufhin er immer wieder Probleme Kotwasser zeigte.


Zwei Jahre, nachdem er zum ersten Mal wegen Hustens in Behandlung war, stellte ein Kollege die Diagnose Chronisch Obstruktive Bronchitis (COB) und begann mit einer intensiven Therapie mit Schleimlöser, Bronchienweitsteller und auch Kortison, es trat aber keine deutliche, klinische Besserung ein. Fjarki war kurzatmig, zeigte geblähte Nüstern und hustete weiter.


Ein erneuter Stallwechsel sollte ihm Erleichterung bringen. Seine Haltung wurde optimiert, im Sommer ganztägig Weidehaltung und im Winter Offenstallhaltung mit Heulage bester Qualität ad libitum und Softbetten statt Einstreu.


Ich lernte Fjarki im September 2017 kennen. Seine Besitzerin berichtete von einer deutlichen Leistungsinsuffizienz, weswegen er auch seit Jahren schon nicht mehr geritten wurde. In der klinischen Allgemeinuntersuchung fielen eine erhöhte Atemfrequenz, weite Nüstern und eine Dampfrinne (durch die erhöhte Anstrengung bei der Ausatmung) auf. Auch der Auskultationsbefund der Lunge passte zum Krankheitsbild des Equinen Asthmas.


Einige Behandlungen waren notwendig, um Fjarkis Zustand zu stabilisieren. Neben der Akupunktur kam auch die Kräutertherapie mit einer speziell auf Fjarkis Krankheitsbild zugeschnittenen Chinesischen Kräutermischung zum Einsatz. Ich bin immer noch begeistert vom Vertrauen und Durchhaltevermögen seiner Besitzerin, was aber schließlich mehr als belohnt wurde. Fjarki geht es nun besser als je zuvor. Er wird sogar wieder geritten!

Was ist die COB (Chronisch Obstruktive Bronchitis)?


Unter dem Überbegriff COB werden unterschiedliche Krankheiten der unteren Atemwege zusammengefasst, die höchstwahrscheinlich eine allergische Komponente beinhalten. Ursächlich dürfte eine Kombination von Schimmelsporen, Endotoxinen und sonstigen Stäuben sein. Bronchospasmen, vermehrte Schleimbildung und Verdickung der Bronchialwände bzw. ihrer Auskleidung sind zugrundeliegende Pathomechanismen.


Die Pferde zeigen neben Husten, überwiegend Atembeschwerden in der Ausatmung und eine vermehrte Sekretproduktion, teilweise auch Atemnot. Hinweise auf die Schwere der Erkrankung geben neben der Auskulation der Lunge mit dem Stethoskop, die Endoskopie der Atemwege mit Analyse des Tracheobronchialsekrets und die Blutgasanalyse.


Aus Sicht der chinesischen Medizin können sich chronische Erkrankungen nur manifestieren, wenn eine Leere im Körper vorliegt, die das Gesunden des Organismus verhindert. Im Falle der COB sind hierbei vor allem die Funktionskreise Milz (Milz-Qi-Leere) und Niere (Nieren-Qi-Leere) betroffen.


Die Milz ist nach chinesischer Philosophie verantwortlich für die Transformation und den Transport von Flüssigkeiten. Ist ihre Lebenskraft (Qi) geschwächt, führt dies zu Schleimansammlungen in der Lunge Die Niere soll das Lungen-Qi ergreifen und nach unten ziehen. Bei Nieren-Qi-Leere verliert sie diese Fähigkeit und Probleme bei der Ausatmung sind das Resultat.

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