Es gibt eine Vielzahl von Berichten, dass kranke Tiere (z.B.  lahmende Rinder mit schmerzhaften Gelenkproblemen) offensichtlich gezielt Gewässer aufsuchen, um sich dort geduldig von den Blutegeln beißen zu lassen.

Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass die  stammesgeschichtlich sehr alten Blutegel sich über lange Zeit ausschließlich  von tierischem Blut ernährt und im Lauf der Evolution eine Art von  Partnerschaft („Du gibst mir Blut - ich heile Dich“) entwickelt haben, die im Instinkt der Tiere verankert zu sein scheint.

Auch aus der tierärztlichen Praxis wird immer wieder berichtet, dass die Tiere eine Blutegelbehandlung in aller Ruhe über sich ergehen lassen. Dies liegt sicher auch daran, dass der Blutegel zu Beginn des Saugvorgangs anästhesierende und analgetisch wirksame Substanzen in Blut und Gewebe abgibt.

Welche Wirkungen erzielt man mit der Blutegeltherapie?

Früher führte man die Wirksamkeit der Blutegeltherapie auf den Blutentzug durch das Absaugen und anschließende Nachbluten von hauptsächlich venösem Blut („der kleine Aderlass“) zurück, was sicherlich zu einer lokalen Entlastung führt. Doch heute weiß man, dass dieser Aspekt eher zweitrangig ist. Es sind vor allem die Wirkstoffe in der Saliva (dem Speichel) des Egels, die er beim Saugen abgibt, die das entscheidende Therapieprinzip darstellen.

Hirudin ist ein Blutgerinnungshemmer, Calin zuständig für die langfristige Nachblutung, Eglin ein Entzündungshemmer. Daneben findet man noch enzymhemmende Stoffe (Bdelline), Destabilase (Auflösung von Blutgerinnseln), Hyaluronidase (antibiotische Wirkung, lokale Gefäßerweiterung) und eine Vielzahl weiterer Stoffe, deren komplexes Zusammenspiel noch lange nicht erforscht ist und die u.a. auch der Durchblutungsförderung und Lymphdrainage dienen.

Was passiert bei der Blutegeltherapie?

Eine Behandlung kann zwischen 30 Minuten und 2 Stunden dauern. Das bestimmt der Blutegel. Abhängig von der jeweiligen Indikation, ist häufig eine einmalige Sitzung ausreichend. Der Biss eines Egels tut nicht weh. Während er saugt, sondert er immer wieder seinen Speichel ab, was ein leichtes Brennen (etwa mit der Berührung einer Brennessel vergleichbar) hervorruft. Zu Beginn der Behandlung wird der Blutegel an die entsprechende Stelle angesetzt, saugt sich fest und penetriert dann die Haut mithilfe seiner Kalkzähnchen. Er fällt von alleine ab, wenn er fertig ist. Danach entsteht eine Nachblutung, die eine entstauende und reinigende Wirkung hat. Dies dauert im Schnitt zwischen 4 und 12 Stunden. Der heilende Effekt kann nach unterschiedlichen Zeitabständen, oft sogar unmittelbar im Anschluss an die Behandlung, auftreten und hält häufig monatelang an.

Wann wird die Blutegeltherapie angewendet?

  • Gelenkserkrankungen, wie z.B. Arthritis, Arthrose, Spat, Podotrochlose (Hufrollenerkrankung)

  • Erkrankungen des Bänder- und Sehnenapparates (Sehnen- & Sehnenscheidenentzündungen, Fesselträgerentzündungen

  • Kreuzbandbeschwerden, Patellaluxation,

  • Gallen (auch Piephacke, Nackenbeule...)

  • Wirbelsäulenerkrankungen (Spondylose, Kissing Spines)

  • Myogelosen (Muskelverhärtungen) und Myalgien (Muskelschmerz)

  • akute Hufrehe

  • Ekzeme (Sommerekzem, Mauke...), Hautentzündungen, Behandlung schlecht heilender Wunden

  • Phlegmone (Einschuss), Abszesse, Ödeme, Hämatome

  • Zahnerkrankungen (z.B. EOTRH)